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Schlemmender Austausch zum Neujahrstreffen 2019
17. Februar 2019 Allgemein

Als frischgebackenes Vereinsmitglied fühlte ich mich besonders geehrt, als ich eine Einladung zum Neujahrsbrunch für den 9. Februar 2019 erhielt. Dass ich neben dem neuen Vorstand und allen ehrenamtlichen Hospizbegleitern und -begleiterinnen an einem Tisch sitzen durfte, zeigte mir, dass alle Vereinsmitglieder gleichwertig behandelt werden. Wir sind wie eine Kette: Da ist der einfache Berichterstatter ein genauso wichtiges (Mit-)Glied wie der Vorstand. Und nur wenn jeder seinen Beitrag leistet, können wir stark sein und Großes bewirken – alle zusammen als eine Einheit. Gespannt wartete ich also auf den großen Tag und freute mich auf das, was auf mich zukommen würde…

 

Am Tag der Veranstaltung traf ich die ersten Gäste bereits vor der Tür des Hotels “Röhrsdorfer Hof“. Auch hier wurden wir herzlich begrüßt. Wir staunten nicht schlecht, als wir das Einkehrhaus betraten. Das anfangs von außen als eher Standard eingestufte Hotel entpuppte sich von innen als ein einwandfreies Gästehaus mit allem, was man sich nur wünschen kann! Schon am Eingang wies uns ein Schild mit unserem Vereinsnamen sicher den Weg bis zum Veranstaltungsort. Als wir eintraten, übertraf dieser sehr große Raum bei weitem alle Erwartungen: Der Saal war komplett in weiß gehüllt, von den vier langen Tafeln mit den Stoffservietten, über die Stühle, bis hin zu dem benachbarten Bankettzimmer, wo wir uns im Laufe des Tages immer wieder am Buffet bedienen durften. Ich hatte des schicken Ambiente wegen den Eindruck, auf einer Hochzeit gelandet zu sein und wartete somit nur darauf, dass noch eine Braut mit einem Blumenstrauß in der Hand den Raum betreten würde. Doch diese Festlichkeit war nur für uns gedacht. Der ganze Aufwand und die prächtige Dekoration bis ins kleinste Detail wurde ausschließlich für uns arrangiert.

 

Nachdem wir alle persönlich begrüßt hatten, suchten wir uns einen Platz. Darauf sitzend konnte ich einfach nicht aufhören, alles zu bewundern. Allein die Anzahl der Gläser war beachtlich. Neben dem Sekt- und Weinglas, stand zusätzlich noch eine Kaffee- bzw. Teetasse und ein Glas für Wasser auf dem Tisch. Ich fragte mich, für was man so viele verschiedene Behältnisse brauchte. Die Antwort fand ich in der Getränkekarte, welche natürlich wieder nur für den DOMUS e.V. gemacht worden war. Auf dem Cover wurden wir sowohl mit Namen des Vereins als auch dem Grund der Festlichkeit benannt. Zusätzlich war eine Speisekarte für uns auf jedem der vier langen Tische akkurat platziert.

 

Die Veranstaltung eröffnete die Vorstandsvorsitzende, Susanne Schaper, mit einer Begrüßung der Anwesenden und einigen Worten zum Ablauf unserer Zusammenkunft. Sie erzählte uns, was wir in den letzten Jahren schon vieles geschafft haben und dass wir all das nur durch unsere fleißigen Vereinsmitglieder erreichen konnten. Dieses Neujahrsbrunch soll deshalb auch ein Dankeschön für die unermüdliche Arbeit sein und als Einstieg für ein weiteres Jahr voller Engagement dienen. Dieses Treffen ermöglichte es dem neu gewählten Vorstand außerdem, den Großteil der ehrenamtlichen Hospizbegleiter gebündelt anzutreffen und neue Gesichter kennenzulernen. Nach der schönen Rede stießen wir gemeinsam mit einem Glas Sekt an und das Wort wurde an die Vorstandsbeisitzende Sally Schreiber übergeben, die einen kurzen Vortrag über die Statistik 2016 bis 2018 vorbereitet hatte. Sie gab uns nicht nur einen Einblick in die Entwicklung unseres Vereins während der letzten drei Jahre, sondern erörterte mittels Zahlen auch den Status Quo des Vereins innerhalb Sachsens. Hier müssen wir uns nicht verstecken, denn unsere Tätigkeit, in Zahlen gemessen, kann sich durchaus sehen lassen.

 

Nach einem leckeren ersten Rundgang am köstlichen Frühstücksbuffet und mit gefüllten und zufriedenen Bäuchen konnten wir motiviert in die Praxis übergehen. Im Rahmen des nun folgenden Workshops, konnte sich jeder an einen von drei Tischen begeben, um verschiedene Themen, die unseren Verein und seine Ehrenamtlichen beschäftigen, konstruktiv zu diskutieren und Ideen zu sammeln. An einem ersten Tisch moderierten Daniela Figula und Kathrin Löffler zusammen mit den Ehrenamtlichen alles rund um die Arbeit im Ehrenamt und was man vom Verein erwarte. An einem zweiten Tisch sammelten Sally Schreiber und Cornelia Löbel Ideen und Verbesserungsvorschläge zu den Themen Weiterbildung, Supervision und Rufbereitschaft. Am dritten Tisch von Frau Dr. Jäger und Kati Richter wurde sich über Erfahrungen und Probleme in den Sterbebegleitungen ausgetauscht. Ich hatte mich für den zweiten Tisch entschieden. Hier diskutierten wir rege sowohl über mehr Möglichkeiten und Angebote zum freien Austausch der Ehrenamtlichen untereinander, bspw. in Kreativabenden oder über einen Stammtisch, als auch über den angemessenen Umgang mit Suizidäußerungen. Spannende Erfahrungen wurden in diesem Zusammenhang immer wieder mit eingebracht, was das Ganze auch praxisnah gestaltete.

Mitten in der Diskussion kam eine ältere Dame dazu. Während die Anderen den Stellenwert von Psychohygiene erörterten, nutzte ich diese Zeit, um mit ihr ins Gespräch zu kommen. Auf meine Frage, wie lange und warum sie Hospizbegleiterin sei, erzählte sie mir, dass sie seit vielen Jahren in diesem Verein tätig wäre, genau wie ihr kranker Sohn. Sie sei der Meinung, dass jeder Sterbende eine Hand brauche, die er halten könne. Ihr Engagement sei jedoch nicht völlig uneigennützig – schließlich wünsche sie sich, wenn sie an der Reihe sei, auch eine liebevolle Hand zur Seite. Sie sagte mir weiter, dass laut Gesetz jeder einen Anspruch auf eine solche Begleitung und Betreuung habe, es aber nur niemand wüsste. Ich persönlich empfinde diese Aussage von ihr keineswegs als einen egoistischen Gedanken, weil das Ableben in Begleitung viel einfacher und ruhiger verläuft. Ich finde, dass der Tod zwar ein sehr trauriger, aber angenehmer Weggang sein kann, wenn man diesen letzten Weg nicht allein gehen muss. Darum ist es auch so gut und wichtig, dass sich der ambulante Hospizdienst DOMUS e.V. mit Herz und Seele dafür einsetzt.

Nach dem höchsteffizienten Brainstorming während des Workshops nahmen alle wieder ihre Plätze ein und fassten für die jeweils anderen noch einmal alles Wesentliche kurz zusammen. Susanne Schaper und die anderen Vorstandsmitglieder bedankten sich für so viel offene und konstruktive Kritik und kündigten an, sich mit den gesammelten Ideen während der nächsten Vorstandssitzung auseinanderzusetzen, damit diese auch zeitnah in die Tat umgesetzt werden können. Bestens informiert und voll mit Anregungen und Vorschlägen schlossen wir das Ganze mit einem Mittagsbuffet ab. Beim genüsslichen Essen saß ich neben einer netten Dame, mit welcher ich während des Schlemmens ein interessantes Gespräch führte. Sie berichtete mir, dass sie seit 2005 hier ehrenamtlich aktiv wäre, da sie bereits viele Angehörige gepflegt habe. Sie sei schon EU-Rentnerin, da sie erst an Fibromyalgie erkrankt sei und später noch an einem aggressiven bösartigen Brustkrebs gelitten habe. Bereits 16 Chemotherapien und Bestrahlungen habe sie hinter sich. Ich hörte gespannt zu und konnte nicht fassen, wieviel Kraft diese Frau trotz ihrer schweren Erkrankungen aufbringen kann, um sich trotzdem weiterhin um sterbenskranke Menschen zu kümmern. Ich bin sehr beeindruckt und ziehe meinen Hut vor so viel Uneigennützigkeit. Viele zerbrechen bereits an einer Krankheit, doch sie schafft es trotz ihrer Mehrfacherkrankung viel für die Menschen da zu sein, denen es noch schlechter geht. Nach reichlich Gedankenaustausch und einigen Runden am Buffet fuhren wir wieder nach Hause, doch in Gedanken war ich immer noch in diesem Hotel, an diesem Tisch mit dieser Frau. Wenn doch alle so herzlich und selbstlos wären wie diese Dame, dann wäre das Ziel unseres Vereins erreicht und die Welt wäre wieder offener für ein solch empfindliches Tabuthema.

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